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Das war: "Mensch-Hund Beziehung im Training und Alltag"

Rückblick auf einen spannenden Seminar-Samstag mit der Verhaltens- und Familienberaterin Dr. Iris Schöberl bei uns in der freilauf Hundeschule in Bludenz

In ihrer Arbeit zu den Themen Beziehung und Stressmanagement befasst sich Iris Schöberl sowohl mit Menschen als auch mit Hunden. „Denn so groß sind die Unterschiede in den Bindungsmustern gar nicht“, weiß die Verhaltensbiologin und Familienberaterin aus ihren Studien und ihrer Arbeit mit Familien mit und ohne Hund. Warum dem so ist, das erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem spannenden und lehrreichen Tagesseminar vergangenen Samstag in der freilauf Hundeschule.

Der erste Teil des Tagesseminars zur Beziehung zwischen Mensch und Hund drehte sich um die wissenschaftlichen Grundlagen der Bindung. Iris Schöberl hatte dazu für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die größtenteils aus den Fachbereichen Pädagogik, Sozialarbeit sowie hundegestützte Therapie und Hundetraining stammten, umfangreiches Grundlagenwissen und nützliche Informationen für deren Arbeit aber auch für den eigenen Alltag mit Hund im Gepäck:

Was ist Bindung?

Unter Bindung versteht man „das Verhalten und die Gefühle gegenüber der als stärker und weiser empfundenen Fürsorge- beziehungsweise Bindungsfigur“. Das gilt für Mensch und Hund gleichermaßen. Eine sichere Bindung erfüllt da wie dort verschiedene Funktionen, wie beispielsweise Sicherheit und Schutz und Stress- und Emotionsregulation. Dass eine Bindung sicher werden kann, dazu tragen die Zuverlässigkeit und Vorhersehbarkeit der Bindungsfigur genauso bei wie das positive Erleben der Nähe. Das macht die Bindungsfigur zu einer sicheren Basis, aus der aus die Welt erkundet werden kann und zum Sammeln neuer Erfahrungen – für Kinder ebenso wie für Hunde. Besonders interessant dabei: Lediglich 20 Prozent der Bindungsqualität sind durch genetische Variation vorgegeben. 80 Prozent entstehen durch Umwelteinflüsse, den Eigenschaften des Kindes sowie das Verhalten und die Feinfühligkeit der Fürsorgeperson. Aufrund der grossen Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund, ist anzunehmen, dass dies auch für Hunde zutrifft. Mit zahlreichen Video-Beispielen konnte Dr. Schöberl einen Eindruck davon vermitteln, wie unterschiedlich Bindungsmuster sich gestalten können und welche Auswirkungen diese jeweils auf das Erleben und Verhalten sowie auf das Stresssystem von Kleinkindern und von Hunden hat.

Neurophysiologie der Bindung

Auf die Hintergründe dazu ging Iris Schöberl im zweiten Teil des Seminars ein, wo es um die Neurophysiologie der Bindung ging. Besonders deutlich wurde hier die Bedeutung von Oxytocin. Dieses „Bindungshormon“ wird bei Säugetieren, also auch bei Menschen und Hunden, durch positive soziale Beziehungen und Berührung ausgeschüttet. Eine ausreichende Versorgung mit Oxytocin hat förderliche Auswirkungen auf den Umgang mit Angst und Stress, es erleichtert die Verarbeitung von Umwelteindrücken und hat zahlreiche positive Effekte auf unterschiedlichste Körperfunktionen. Damit wurde für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch der zentrale Einfluss deutlich, den eine sichere Bindung zwischen Hund und Halter auf das Training und das Zusammenleben im Alltag hat. Denn für Mag. Iris Schöberl ist klar: Beziehung und Erziehung sind zwei Paar Schuhe. Vorsicht allerdings sieht die Verhaltensexpertin darin geboten, rassetypisches oder in einem bestimmten Entwicklungsstadium des Hundes völlig normales Verhalten auf die Bindungsebene abzuwälzen: „Wenn ein junger Beagle eine Fährte aufnimmt und nicht sofort auf einen Rückruf reagiert ist das genauso normal wie wenn eine Hunde-Seniorin nich mehr lange im "Platz" bleibt.“ Das habe wenig mit Erziehung und rein gar nichts mit der Bindung zu tun. Dennoch können, so Schöberl weiter, ohne eine gute Beziehung zwischen Hund und Halter zahlreiche Trainingsmaßnahmen ins Leere laufen. Daher sei es zentral, lebenslang mit Sicherheit, Nähe und Feinfühligkeit an einer sicheren Bindung zu arbeiten. Denn eine vertrauensvolle Basis und ein sicherer Rahmen in dem der Hund Hund sein darf mache im Training und Alltag vieles leichter und manches auch überhaupt erst möglich.

Nach einem intensiven aber sehr kurzweiligen Seminartag in den Schulungsräumen unserer Hundeschule in Bludenz gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer zentralen Erkenntnis nach Hause: Nicht nur unsere Hunde lernen von uns, auch wir lernen von ihnen. Denn unsere Persönlichkeit und eigene Erfahrungen in Beziehungen haben direkten Einfluss auf die Bindung zwischen uns und unserem Vierbeiner. Wenn wir es schaffen, unseren Hunden eine zuverlässige, verfügbare und vertrauenswürdige Bezugsperson zu sein helfen wir ihnen dabei, sich im Alltag sicher zu fühlen, einen gesunden Umgang mit Angst und Stress zu entwickeln und zu lernen.

Es war uns eine große Freude, dass Iris Schöberl unserer Einladung nach Vorarlberg für das Seminar #48 MENSCH-HUND BEZIEHUNG IM ALLTAG UND TRAINING gefolgt ist und wir hoffen, sie bald wieder zu einem Seminar bei uns in der freilauf Hundeschule begrüßen zu dürfen.

Interessiert an weiteren Seminaren, Workshops und Veranstaltungen? Hier gibt’s alle Infos dazu!


Dr. Iris Schöberl

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit von Iris Schöberl stehen Stressmanagement und Bindung sowie das Vermitteln neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in Workshops und Seminaren. Praktisch arbeitet die promovierte Verhaltensbiologin seit über 14 Jahren als selbstständige Verhaltensberaterin und Trainerin mit den Schwerpunkten Bindungs- und Beziehungsaufbau, Stressmanagement, Angst und Aggression. Iris Schöberl absolvierte eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin und Säuglings-, Kinder-Jugendlichen- und Elternberaterin. Im Burgenland, in Niederösterreich und in Wien bietet sie ganzheitliche Familienberatung für Eltern, Kind, Hund und Katze. 

Mehr zu Dr. Iris Schöberl und ihrer Arbeit: www.beratungundtraining.at


 

Zu Gast bei Proton - das freie Radio

Im Rahmen der Sendung Facette Kult durften wir die Aktion "Tausche TV-Trainer Ticket für ein gratis Hundetraining" vorstellen. Wir danken Ingrid Delacher für das angenehme Gespräch und wünschen viel Freude beim Reinhören. Hier geht`s zur Sendung.

https://www.facebook.com/RadioProton/photos/a.507091149327604/2477041832332516/?type=3&theater

https://radioproton.at/2019/10/22/initiative-fuer-gewaltfreies-hundetraining/

Leben will gelernt sein

Beitrag zur Blogparade "FAIR statt fies"


Hunde durchlaufen, wie auch wir, verschiedene Entwicklungsphasen im Leben. Berücksichtigen wir diese und wissen, was im Hund in dieser Zeit vorgeht, können wir auch besser eingeschätzten, was für unseren vierbeinigen Begleiter wichtig ist, was wir ihm „zutrauen“ und beibringen können. Gerade in der Junghundezeit können wir eine gesunde Entwicklung bei unserem vierbeinigen Begleiter fördern und ihn beim Ausbilden von Lebenskompetenzen unterstützen, die für ein entspanntes Zusammenleben wichtig sind.

 

Fremdelphasen

Die Entwicklung vom Welpen bis zum erwachsenen Hund geht mit vier bis fünf Fremdelphasen einher. In diesen Zeiträumen sollten für den Hund unbekannte Situationen vermieden werden, da er schreckhaft oder ängstlich reagieren kann – auch auf bereits bekannte Umweltreize.

  • ca. 8. Lebenswoche
  • ca. 4 ½. – 5. Lebensmonat (Welpe wird zum Junghund)
  • ca. 9.-10. Lebensmonat (hormonelle Veränderung)
  • ca. 13.-14. Lebensmonat
  • ca. 17.-18. Lebensmonat (nicht bei allen Hunden)

 

Die Welpenzeit

Die ersten Lebensmonate eines Hundes haben einen entscheidenden Einfluss auf sein weiteres Leben. Zahlreiche Nervenverbindungen entstehen im Gehirn eines Welpen und in nur wenigen Monaten ist der Großteil des Gehirnwachstums abgeschlossen. Der Einfluss der Umwelt ist in dieser Zeit von großer Bedeutung für die Entwicklung sozialer Bindungen und für die Ausbildung von Bindungen an die Umwelt.

 

Die Entwicklung sozialer Bindungen

Es liegt in der Natur eines Welpen, uns sprichwörtlich auf Schritt und Tritt „zu verfolgen“. Dieses Verhalten dient dem Schutz des Tieres, da es ja noch nicht viel über die Gefahren des Lebens weiß. Dieses Bedürfnis nach Nähe gilt es zu berücksichtigen. Denn um ausgeglichen sein zu können, brauchen Welpen 20 bis 22 Stunden Ruhe und Schlaf am Tag und  ohne unsere Unterstützung kommen sie nur selten zur Ruhe. Auch bei der frühen Gewöhnung an das Alleinbleiben arbeiten wir gegen die Natur. Ein sorgfältiger Aufbau ist besonders wichtig, damit kein Trennungsstress beim Hund entsteht.


Eine vertrauensvolle Beziehung wird durch einen liebevollen und fürsorglichen Umgang mit dem Hund im Alltag, beim gemeinsamen Ruhen, dem Erlernen der Stubenreinheit, dem Kennenlernen von Bekannten und vierbeinigen Mitbewohnern erreicht. Niemals sollten Welpen weggesperrt oder streng gemaßregelt werden. Ein gut strukturierter und gleichbleibender Tagesablauf hilft dem jungen Hund, sich in unserem Alltag zurechtzufinden. Durch Management-Maßnahmen wie das Wegräumen liebgewonnener Schuhe oder das zur Verfügungstellen von geeigneten Kauartikeln können viele Konflikte vermieden werden.


Beispiel: Mäxchen hat ein großes Kaubedürfnis und zerstört herumliegende Schuhe. Sorgen Sie dafür, dass Mäxchen ausreichend Kauspielzeug hat und verräumen Sie die Schuhe an einem für den Hund unerreichbaren Ort.

 

Die Ausbildung von Bindungen an die Umwelt

Indem wir Welpen mit Reizen vertraut machen, die in ihrem späteren Leben eine Rolle spielen werden, leisten wir einen wesentlichen Beitrag dafür, dass sie sich in unserer Umwelt gut zurechtfinden. Der junge Hund sollte Geräusche, Tiere anderer Art sowie verschiedene Umgebungen und Situationen kennenlernen.


Beispiel: Wächst Mäxchen in einer reizarmen Umgebung wie beispielsweise einer Steppe auf, passt sich sein Gehirn diesen Umgebungsbedingungen an. Für den erwachsenen Max wird es später sehr schwierig sein, sich in unserem Lebensraum anzupassen.

Eine gute Sozialisierung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Hund zunehmend Vertrauen in die Sozialpartner und seine eigenen Fähigkeiten entwickelt sowie die neuen Erfahrungen positiv bewertet und sich NICHT überfordert fühlt. Um dies zu erreichen, sollten die Bedürfnisse des Welpen in unserem Lebensumfeld berücksichtigt werden und auf Anzeichen von Überforderung eingegangen werden. 

 

Anzeichen von Überforderung sind:

  • weit aufgerissene Augen
  • in die Leine beißen
  • Welpen- bzw. Stressgesicht (Lefzen sind zurückgezogen, Stirn ist faltenfrei)
  • schnelle kurze Atemzüge
  • speicheln
  • Schuppenbildung im Fell (schlagartig)
  • häufiges Urinieren oder totaler Stop
  • Durchfall/Verstopfung
  • Ruhelosigkeit
  • Aufreiten
  • bellen, heulen, winseln
  • exzessives trinken
  • hypersensibles Wahrnehmen: sehen, hören, riechen, berühren

 

Was versetzt Hunde in Stress?

  • Hunger / Durst
  • sich einsam fühlen
  • Krankheit / Schmerz
  • Müdigkeit
  • Gewalt
  • zu viel Kontrolle
  • Angst
  • Hektik
  • Lärm
  • Unberechenbarkeit der Haltenden
  • Boxenhaltung, auch nur zur Nachtruhe
  • zu viel Training
  • Entzug von körperlicher Nähe / „erzwungene“ körperliche Nähe
  • unangemessen viel oder grobes Spiel mit Artgenossen
  • Ballspiele, Objektorientierung

 

Beispiel: Mäxchen begleitet seine Familie zu Freunden. Dort erkundet er das Haus. Wird der Besuch gut gestaltet und dauert nicht zu lange ist er mentale Stimulation. Wird der Besuch hingegen schlecht gestaltet und dauert zu lange ist er Überforderung.

Der Hund sollte auch im weiteren Entwicklungsverlauf die Möglichkeit bekommen wiederholt Erfahrungen mit verschiedenen Reizen zu machen.

 

Die Pubertät

Im Alter von fünf bis sechs Monaten, bei einigen Rassen auch später, nimmt die Aktivität der jungen Hunde zu. Der nächste Entwicklungsschritt ist deutlich erkennbar, wenn die jungen Tiere vor allem eines wollen: Hundefreunde treffen. Wirft sich ein Jungspund vor lauter Freude beim Anblick eines Artgenossen in die Leine ist das zwar unangenehm, bedeutet aber gleichzeitig, dass das Tier sich gesund entwickelt. Jetzt beginnt eine spannende Zeit, in der wir dem heranwachsenden Hund ermöglichen sollten, wichtige Lebenskompetenzen zu erlernen: den Umgang mit Artgenossen sowie die Erweiterung des Verhaltensrepertoires zur Ausbildung von Flexibilität und Konfliktlösungsstrategien.


In dieser Zeit ist es wichtig, angemessene Begegnungen und ausgeglichenes Spiel unter Hunden zu ermöglichen. Denn in unserem Lebensumfeld treffen wir auf Hunde verschiedener Größen und Rassen, mit anderem Aussehen und den verschiedensten Vorlieben. Windhunde lieben Rennspiele, Rhodesian Ridgebacks spielen sehr körperintensiv, einige Hütehunde „zwicken“ im Spiel auch gerne mal, andere Hunde wiederum sind sehr körpersensibel. Es gilt, Begegnungen so zu gestalten, dass sie für beide Seiten bereichernd sind!

 

Spielen heißt Lernen!

Hunde können bei Begegnungen und im Spiel, aufeinander Rücksicht nehmen und sich einander anpassen. Bei Begegnungen mit Hunden und im Sozialspiel, lernen sie den Hunde-Knigge verstehen und einzuhalten, verfeinern ihre Sprache und entwickeln die Fähigkeit selbstverantwortlich zu handeln.

Für ein ausgeglichenes Spiel unter Artgenossen braucht es Spielpartner auf „Augenhöhe“ oder einen Hund, der sich schon gut auf den anderen einstellen kann. Passt die Zusammenstellung nicht, sollten wir eingreifen, um unseren Hund zu schützen oder um dem Entstehen von „fiesen“ Verhaltensweisen im Umgang mit „Schwächeren“ entgegenwirken.

Beispiel: Der Malteser Max begegnet einem jungen Labrador Retriever, der sich noch nicht gut beherrschen kann – kein Spielpartner auf „Augenhöhe“! Eine nicht böse gemeinte aber grobe Berührung kann dazu führen, dass sich Max in Zukunft große Hunde lauthals vom Leib halten möchte. Wird der Labrador Retriever mit der Leine gesichert und klein Max ausreichend Zeit gegeben, um frei zu entscheiden ob er hin möchte oder nicht, kann eine Begegnung für beide Seiten bereichernd sein.

 

Bei einem gelungenen Sozialspiel:

  • gibt es viele Pausen
  • werden die Rollen getauscht
  • spielen die Hunde „des Spieles wegen“
  • sind die Bewegungen „rund“
  • zeigen die Spielenden wenig Körperspannung und entspannte Gesichtszüge
  • ist das Kräfteverhältnis ausgewogen oder die Tiere können sich gut aufeinander einstellen

 

Voraussetzungen, damit der Umgang mit Hunden entspannt bleibt:

  • ältere, erfahrende Hunde mit guten sozialen Kompetenzen treffen
  • auf kurze Spielsequenzen achten
  • Ruhe- und Entspannungsübungen in Anwesenheit von Hunden praktizieren
  • gemeinsames Erkunden und ruhige Beschäftigungsformen fördern
  • Pausen machen, bevor das Spiel zu wild wird
  • Überforderung vermeiden

 

Hansdampf in allen Gassen

Mit dem Eintreten der Geschlechtsreife werden Hunde unabhängiger. Das ist ein natürlicher Prozess, der zum Erwachsenwerden dazugehört. Konkurrenzverhalten, Sexualität, Aggressions- und Jagdverhalten kommt zum Vorschein. In dieser Lebensphase verändert sich die Rezeptordichte und -empfindlichkeit für das Hormon Dopamin in verschiedenen Gehirnarealen. Das bewirkt, dass sich Hunde weiter von uns entfernen, um Erkundungen anzustellen. Zudem werden Situationen, Objekte und bereits gut erlernte „Kommandos“ vom Hund neu bewertet, was dazu führt, dass die Tiere anders reagieren als zuvor. Der Stresshormonspiegel ist empfindlicher und die Reaktionen des Hundes – auch auf bereits bekannte Reize – werden intensiver, Trennungsstress kann auf einmal wieder zur Herausforderung werden. Jetzt heißt es Geduld haben: Das Gehirn des Tieres befindet sich im Umbau.

 

Wachstum braucht Zeit!

Für Hundehaltende ist diese Phase oft besonders schwierig. Der Hund hat sich „bis dato“ gut entwickelt und vieles bereits gelernt: an lockerer Leine zu laufen, im Freilauf in der Nähe zu bleiben, heranzukommen, wenn er gerufen wird. Keinesfalls sollen diese Veränderungen durch Aussagen wie: „Der testet seine Grenzen“ erklärt werden, was dazu beitragen würde, den Druck auf den Hund zu erhöhen. Es ist sehr schade, dass viele Hundehaltende in dieser Zeit das Vertrauen in den eigenen Hund verlieren und auch das Vertrauen des Hundes in seine Menschen geschwächt wird, zum Beispiel durch strenges Maßregeln. Schadensbegrenzung zu betreiben ist der klügere Weg. Aufkommende Frustration kann durch die Anpassung der eigenen Erwartungen sowie der Gestaltung von befriedigenden und gut zu bewältigenden Aufgaben und Beschäftigungen für den Hund begrenzt werden.

 

Wie Sie dazu beitragen können, diese "schwierige" Phase zu meistern:

  • Unterstützen Sie Ihren Hund in schwierigen Lern-, Lebens- und Alltagssituationen
  • Passen Sie Ihre Erwartungen an
  • Gehen Sie im Training einen paar Schritte zurück
  • Lassen Sie Sozialkontakte mit ausgewählten Artgenossen zu
  • Schützen Sie Ihren Hund und die Umwelt, indem Sie keine Risiken eingehen
  • Gestalten Sie Übungen und Beschäftigungen so, dass sie von Ihrem Hund einfach zu bewältigen sind
  • Schränken Sie Ihren Hund nicht unnötig ein

 

:-) HALLO ALTER FREUND!

Max ist nun zwischen einem und vier Jahren jung – je nachdem, welcher Rasse er angehört. Es hat bis jetzt gedauert, dass sein Gehirn ausgreift ist und fertig wird es zum Glück nie.


Erwachsene Hunde können sich gut konzentrieren und sind entspannter – sie lernen nun „besser den je“.


Leider werden Hunde „von heute auf morgen“ alt. Einen Senior zu begleiten hat jeden Tag ein bisschen was von Abschied nehmen und Dankbarkeit. Senioren mental und körperlich fit zu halten und am sozialen Leben teilhaben zu lassen ist wichtig. Senioren sind nicht gerne allein. Ihre Sinne werden allmählich schwächer und sie werden im Alltag zunehmend unsicherer und sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Häufig erhöhen ein paar Umbaumaßnahmen die Lebensqualität: rutschfeste Unterlagen geben dem Hund mehr Sicherheit im Haus, Rampen helfen rauf- und runter zu kommen sowie den Bewegungsapart zu schonen. Lange Spaziergänge gibt es keine mehr, dafür häufiger Ausflüge mit dem Auto an vertraute und neue Orte, die zu Fuß für den Hund nicht mehr erreichbar sind.

Einen Hund zu begleiten bedeutet, die Verantwortung für einen Freund bis zum Schluss zu übernehmen. Vermeiden wir strafbasiertes Training und einen Umgang mit dem Hund der auf Unterordnung abzielt, lernen wir vieles über die Bedeutung von Vertrauen sowie über die Natur von Hunden und damit, die umfassenden sozialen Fähigkeiten unserer vierbeinigen Begleiter zu schätzen.


Alle Artikel der Blogparade "FAIR statt fies" gibt´s hier! Wir wünschen viel Freude beim Lesen!


 

Bekleidung wenn`s kalt wird - eine gute Idee!

Die kalte Jahreszeit hat bereits begonnen und zunehmend sind Hunde mit Trenchcoat, Regenschutz und Strickpullover unterwegs. Naturgemäß tragen unsere vierbeinigen Begleiter ein Fell, dennoch frösteln und frieren viele von ihnen bei niedrigen Temperaturen. Herkunft, Rassezugehörigkeit, Fellbeschaffenheit, Körpergröße, Alter und physische Konstitution spielen eine entscheidende Rolle bei der Frage "Braucht mein Hund einen Kälteschutz?". Aufnahmen mit der Wärmebildkamera zeigen, dass bei den meisten Hunden bei niedrigen Temperaturen ein unangenehmer Wärmeverlust auftritt. Hinzu kommt noch, dass in bewegungsarmen Phasen (Warte-/Ruhezeiten) und bei langsamem Gehen (beispielsweise an der Leine) auf einen entsprechenden Kälteschutz nicht verzichtet werden kann, damit sich unsere Vierbeiner an unserer Seite wohlfühlen.

Zu den Hunden die schnell frieren oder bis auf die Haut nass werden gehören: Welpen, Senioren, kleine Hunde, Hunde ohne oder mit nur wenig Unterwolle sowie kranke Tiere.

 
Für welche Hunde macht Kleidung Sinn?
  • Kleine Hunde wie Französische Bulldogge, Mops, Zwergpinscher oder Kurzhaardackel kühlen schnell aus, da ihre Körperoberfläche im Verhältnis größer ist als bei großen Hunden. Dadurch gibt die Haut auch mehr Wärme ab.
  • Hunde aus warmen Klimaregionen, wie beispielsweise der mexikanische Chihuahua oder der aus Afrika stammende Rhodesian Ridgeback, sind für kalte Temperaturen nicht "ausgerüstet".
  • Hunde mit lockigem Fell saugen größere Mengen Wasser auf. Bei niedrigen Temperaturen können Erkältungen bis hin zur Lungenentzündung entstehen. Gefährdet sind Rassen wie Bichon Frise, Bolonka Zwetna und ähnliche.
  • Hunde mit sehr wenig oder gar keiner Unterwolle frieren schnell und werden bei Schnee und Regen bis auf die Haut nass. Pudel, Malteser, Magyar Vizsla, Shih Tzu, Weimaraner, Yorkshire Terrier, Dobermann, Boxer, Irish-, English- , Gordon Setter, English Pointer, Galgo oder auch Saluki zählen zu diesen Rassen.
  • Welpen kühlen schneller aus weil sie klein sind und ihr Fell, vor allem am Bauch, noch nicht voll entwickelt ist.
  • Senioren bewegen sich weniger und leiden häufiger an Erkrankungen des Bewegungsapparats. Dadurch kriecht bei älteren Hunden die Kälte sprichwörtich bis in die Knochen. Außerdem trocknet das Fell bei Senioren nach Durchnässung deutlich langsamer.
  • Kranke Hunde sind generell geschwächt und können ihre Wohlfühltemperatur nur schwer halten.
 
Was macht gute Hundebekleidung aus?

In erster Linie soll der Hund sich darin wohlfühlen und dem Wetter entsprechend geschützt sein. Zu empfehlen ist Bekleidung, die: 

  • am Bauch geschlossen ist
  • keine Geräusche macht (nicht raschelt oder knistert)
  • einfach zum Anziehen ist
  • nicht einschneidet
  • das Überziehen eines Brustgeschirrs ermöglicht
  • ausreichend Bewegungsfreiheit bietet.

 

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Hund bei Wind und Wetter ein wohlig warmes Zusammensein!

Vortrag & Clicker-Workshop mit Christina Sondermann

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr war es uns eine besondere Freude, Christina Sondermann heuer wieder zu einem Vortrags- und Workshopwochenende bei uns begrüßen zu dürfen.

Die Hundetrainerin und Autorin zahlreicher Bücher aus dem deutschen Nordrhein-Westfalen widmet sich in ihrer Arbeit im Besonderen sinnvollen und kreativen Beschäftigungsmöglichkeiten mit Hund und gibt ihr umfangreiches Wissen in Kursen, Vorträgen und Workshops weiter. In Vorarlberg war sie bereits zum zweiten Mal exklusiv bei uns in der freilauf Hundeschule in Bludenz zu Gast.

Vortrag: #47 WAS BRAUCHT (M)EIN HUND ZUM GLÜCKLICHSEIN - HUNDEHALTUNG ARTGERECHT

Das Wochenende startete mit einem kurzweiligen interaktiven Vortrag am Samstag Abend. Im Zentrum stand die Frage: „Was braucht (m)ein Hund zum Glücklichsein – Hundehaltung artgerecht“. Eine ziemlich gute Frage, wie wir finden. Immerhin gestalten wir Menschen ja den Großteil des Tages unserer Hunde und übernehmen damit auch die Verantwortung dafür, ob sie an unserer Seite ein erfülltes Leben führen. Das zu erreichen ist gar nicht so schwer, wie der Vortrag von Christina Sondermann zeigte. Bereits kleine Optimierungen im Alltag können eine starke Wirkung auf das Wohlbefinden und Verhalten unserer Hunde haben. Stellschrauben dafür gibt es mehr als genug: Achtsame Körperpflege, eine bedarfsgerechte Fütterung, regelmäßige, dem Hund entsprechende Sozialkontakte, eine angemessene Gestaltung der Spaziergänge, ein ausreichendes Maß an Ruhe und Möglichkeiten zur Entspannung sind nur einige wenige davon. Auf ihre humorvolle Art und mit dem fundierten Fachwissen aus über 16 Jahren Arbeit mit Hunden führte Christina Sondermann durch den kurzweiligen Abend. Die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten nicht nur eine Checkliste für artgerechte Hundehaltung sondern auch viele leicht umsetzbare Anregungen und wertvolle individuelle Tipps für den Alltag mit ihren Vierbeinern mit nach Hause nehmen.

Workshop: „KREATIVES CLICKERTRAINING“

Einen zentralen Bestandteil eines erfüllten Hundelebens bildet die art- und wesensgerechte Beschäftigung – vor allem mental. Wer sich mit diesem Thema einmal genauer auseinandersetzen wollte, hatte gleich am Sonntag Vormittag die Gelegenheit dazu. Beim Workshop „Kreatives Clickertraining“ brachte Christina Sondermann den acht anwesenden Mensch-Hund-Teams sowie einigen Zuhörerinnen die Möglichkeiten des „Clickerns“ näher.

Schon bevor die Hundewelt auf die an die Knackfrösche aus unserer Kindheit erinnernden Clicker aufmerksam wurde, wurde Clickertraining erfolgreich bei Zootieren angewendet. Durch die Konditionierung mit dem Klick-Geräusch wurden die Tiere darauf trainiert, dass sie gewisse medizinische Behandlungen auch ohne Betäubung zulassen.

Im Hundetraining bietet der Clicker eine hervorragende Möglichkeit, die leidige „Timing-Falle“ zu umgehen. Denn gerade einmal 1-2 Sekunden bleiben uns Menschen Zeit, um auf ein gewünschtes Verhalten des Hundes mit einer Belohnung zu reagieren. Belohnen wir zu spät, kann der Hund die richtige Verknüpfung kaum bis gar nicht mehr herstellen. Einmal als Belohnungssignal (Click = Gut gemacht = Leckerli) aufgebaut, bildet der Clicker die kognitive Brücke zwischen dem vom Hund gezeigten erwünschten Verhalten und der Belohnung, auch wenn diese etwas zeitversetzt erfolgt. Das verschafft uns ein paar Sekunden mehr Zeit, um ein Leckerli aus dem Beutel zu fischen und den Hund auch tatsächlich für das zu belohnen, was gemeint ist. Wie viele Möglichkeiten das Clickertraining neben dem Medical Training oder dem Signalaufbau bietet, konnte jedes Team nach einer kurzen theoretischen Einführung aufbauend auf seinem aktuellen Clicker-Trainingsstand gleich selbst ausprobieren. Christina Sondermann setzt Clickertraining gerne und erfolgreich ein als Denksport für Regentage, für körperlich eingeschränkte oder ältere Hunde und ganz besonders bei der Arbeit mit Hunden im Tierschutz. Auch an diesem Sonntag Vormittag war es eine große Freude zuzusehen, wie sehr das Clickern das selbstständige Denken und die Kreativität der übenden Hunde anregt. Das Training war ein Riesenspaß für Mensch und Hund und gibt den Teams eine freudvolle und abwechslungsreiche Möglichkeit an die Hand ihre Beziehung zueinander, aber auch das Vertrauen des Hundes in seine eigenen Fähigkeiten und damit auch seine Resilienz für schwierige Situationen im Alltag zu stärken. Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal, wenn wir Christina Sondermann wieder zu einem spannenden Vortrags- und Workshopwochenende bei uns in Bludenz begrüßen dürfen – und geben euch natürlich rechtzeitig Bescheid!

Ein Wochenende mit Manja Leißner von der QimmiQ Lodge

In Manja Leißners QimmiQ Lodge fühlen sich alle Hunde pudelwohl. Wie man das erreicht, zeigte die Hundexpertin den Teilnehmerinnen des Lehrgangs „Kynologische Grundausbildung: Professionelle Hundebetreuung“ vergangenes Wochenende.

Einen Auslaufservice, eine Tagesstätte mit Pension sowie eine Hundeschule betreibt Hundeexpertin Manja Leißner in Wünschendorf, Thüringen (D).
Die QimmiQ Lodge bietet ihren vierbeinigen Gästen 10.000 m2 Freifläche, gemütliche Ruheplätze und eine Rundum-Betreuung in Gruppen. Die Hunde verbringen dort die Zeit mit Freunden – spielen, erkunden, ruhen und schlafen gemeinsam. Wie man erreicht, dass sich jeder Hund wohl fühlt und einen gelungenen Aufenthalt hat, zeigte uns Manja Leißner am Wochenende in Theorie und Praxis.

Die Hundetrainerin weiß: Nicht alle Hunde geben auf Anhieb ein gutes Gespann ab und bei manchen könnte es auf Dauer zu Konflikten kommen. Deshalb achtet Manja Leißner von Beginn an genau auf die individuellen Bedürfnisse der Vierbeiner. Manche Charaktere würden die eine Hundegruppe sprengen, fügen sich aber in eine andere Zusammenstellung gut ein. Was in einer Hundegruppe geht oder eben auch nicht geht, damit die Gruppe dauerhaft ausgeglichen bleibt, wie neue Hunde mit Einfühlungsvermögen, Zeit und kynologischem Know-how in eine bestehende Gruppe integriert werden und was es von der Eingewöhnung bis zur Abholung der Hunde für einen gelungen Aufenthalt alles braucht, all das war Thema des vergangenen Lehrgangswochenendes.

Damit die vierbeinigen Gäste eine schöne Zeit verbringen und an Selbstsicherheit gewinnen, zeigte Manja abwechslungsreiche Beschäftigungsideen. Die Lehrgangs-Teilnehmerinnen lernten zudem, wie ein sicherer und entspannter Freilauf mit mehreren Hunden gestaltet wird sowie welche Signale und was für eine Ausrüstung dabei hilfreich sind.

Im praktischen Teil hatten unsere Trainees die Gelegenheit, das umfangreiche neue Wissen über Gruppendynamik, Individualität und das Zusammenführen von Hunden in praktischen Übungen zu festigen.

Wir danken Manja Leißner für Ihren Besuch und wünschen ihr und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg!
 

Der böse Wolf: Leider weitaus mehr als ein Kassenschlager

Unterwegs mit Trainees oder meinen eigenen Hunden treffe ich viele Hundehaltende und ihre Vierbeiner. Schöne Begegnungen sind dabei ganz klar die Ausnahme. Immer wieder sind es gut eingeübte Handlungsketten wie, Ruck – „Gsch“ – Kick, die sich da vor meinen Augen abspielen. Handlungsketten, die irgendwo gelernt wurden und sich auf Spaziergängen gefestigt haben müssen. Manchmal aus reiner Gewohnheit und manchmal als dürftige Versuche, trotz Hilflosigkeit und Unwissenheit „Herr der Lage“ zu werden – was das Ganze nicht weniger verletzend macht.

Es gibt jedoch immer dieselben Parallelen bei diesen gruseligen Szenen:

  • Physische und/oder psychische Gewalt kommt zum Einsatz
  • Die Hunde werden durch Situationen geschleift, denen sie nicht gewachsen sind. Es wird schlicht zu viel von ihnen erwartet.
  • Mit nur wenigen einfachen Verhaltensänderungen am haltenden Ende der Leine könnte eine für alle Seiten angenehme und bereichernde Erfahrung stattfinden 

Warum ist das so?

Im Oktober wird ein bekannter TV Hundetrainer mit seiner Show die Olympiahalle in Innsbruck füllen. Sehr wahrscheinlich werden dort aufs Neue viele Erwartungen geweckt werden, die Hunde an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen. 

Hunde sind sehr friedfertige Lebewesen und an ein Zusammenleben mit dem Menschen in Gefangenschaft gewöhnt. Trotzdem wird vielen von ihnen eine Verhaltensstörung angedichtet. Dazu muss man wissen: Nur sehr, sehr wenige Hunde kommen mit einer Verhaltensstörung auf die Welt. Meistens handelt es sich um Verhaltensprobleme. Das wiederum sind völlig normale, der Art entsprechende Verhaltensweisen, die jedoch im Lebensumfeld des Menschen zu Schwierigkeiten führen können. Jagdverhalten gehört dazu oder schlicht jugendlicher Übermut.

Was betroffenen Tieren im Hundetrainer-TV für Einschaltquoten mit Fäusten und Tritten „abgewöhnt“ wird behandelt zweifelsohne der Art entsprechende Verhaltensweisen oder hundliche Verhaltensstörungen die selfmade sind. Beides zeugt lediglich von menschlichen Schwächen: Wir nehmen uns einfach keine Zeit mehr, uns auf andere Lebewesen einzulassen. Deshalb ignorieren wir auch im Umgang mit unseren vierbeinigen Begleitern vieles was erforscht ist, erfüllen ihre Bedürfnisse in unserem Lebensumfeld nur halbherzig und schieben die Verantwortung ganz einfach auf die Hundeflüsterer dieser Welt ab. Zeit, Empathie und Wissen sind nämlich genau das Gegenteil davon, was im TV-Hundetraining angepriesen wird. Hier werden schnelle Lösungen verkauft – für lebensfeindliche und narzistische Probleme, die durch die Idee erschaffen werden, dass jeder Hund zu jedem Zeitpunkt seines Lebens genau das tun muss, was gerade von ihm erwartet wird. Oder dass es das einzig Richtige ist, unsere Hunde der Dominanztheorie wegen mit Gewalt zu korrigieren, weil diese Gattung eine andere Sprache nicht versteht. Darüber hinaus wird noch einiges weiteres Halbwissen rund um den „besten Freund“ des Menschen verbreitet …

Die Sender sollten nicht nur darauf hinweisen, dass man diese Szenen nicht nachahmen sollte, sondern vor allem darauf, dass die gesamten Inhalte ausschließlich der Selbstdarstellung und der Unterhaltung dienen und frei erfunden sind. Denn weder liegen diesen Methoden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde noch zeigen sie einen ethisch vertretbaren Umgang mit Hunden.

Ein ethisch vertretbarer Umgang mit Hunden sieht nämlich ganz anders aus. Glücklicherweise gibt es immer mehr Organisationen und ExpertInnen mit kynologischem Know-how, denen das Wohl der Hunde genauso ein Anliegen ist wie das harmonische Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Viele von ihnen unterstützen die „Initiative für gewaltfreies Hundetraining“. Ziel der Initiative ist das Verbreiten eines wissenschaftlich fundierten, ethisch vertretbaren und empathischen Umgangs mit Hunden – vor allem im Training. Eine länderübergreifendes Angebot dieser Initiative ist die Aktion „Tausche TV Hundetrainer-Ticket gegen Training“. Hier können Interessenten ihr Ticket zu einem dieser TV-Trainer-Events – übrigens auch gebrauchte von vergangenen Veranstaltungen – gegen ein kostenloses Training bei einer teilnehmenden Hundeschule ihrer Wahl einlösen.

Ich unterstütze diese Aktion sehr gerne. Weil ich mir wünsche, dass mehr Menschen versuchen ihre Hunde besser zu verstehen statt sich von unrealistischen Erwartungen und fragwürdigen Methoden leiten – und früher oder später auch frustrieren lassen. Denn im Grunde wissen wir es doch alle: Das Leben ist nie so wie im Fernsehen. In diesem Fall muss ich sagen: zum Glück!

© Freilauf, Nina Tschanhenz, Wichnerstraße 10b, 6700 Bludenz, AT

PDFs zum Download:flyer_gewaltfreies_hundetraining.pdf

Der Hund als Motiv: Helga Färber-Dittrich und Sonja Hagelkreuz

Die Französische Bulldogge eines befreundeten Masseurs und Ballettänzers sowie eine üppig geschmückte Pudeldame dienten Helga Färber-Dittrich als Motiv für jene Kunstwerke, die in den letzten Jahren zu einer ganz besondern Atmosphäre im Freilauf-Laden beigetragen haben. Vor wenigen Monaten mussten wir die Bilder wieder zurück nach Hause in die Villa Falkenhost begleiten, denn bei der Ausstellung von Masu Baumgartner & Helga Färber-Dittrich "Wege des Skurillen und des Ausklangs" durften die Bilder natürlich nicht fehlen. Wir sagen danke!

Auf der Suche nach dem Hund als Motiv sind wir nun auf die Künstlerin Sonja Hagelkreuz gestoßen. Ein freier Umgang mit Farbe und Gestalt prägen ihre Ausstellungsstücke und Auftragsarbeiten vom Rockstar bis zum Hund. Erst Ende Juni wurde die  Ludescherin beim Art & Ink Club in Bürs mit dem ersten Preis in der Kategorie "Best of Art" ausgezeichnet. Umso mehr freut es uns, dass drei Acrylbilder der @pinsel.arbeit von Sonja Hagelkreuz bereits in den Freilauf-Laden eingezogen sind und während der Öffnungszeiten jeden Mittwoch Nachmittag von 15 bis 18 Uhr bewundert werden können!

Vielen Dank, Sonja! 

Welpensafari

Los geht`s mit der Safari! :-) Beim einführenden Themenabend vermitteln wir hilfreiches Wissen rund um junge Hunde und in den darauffolgenden wöchentlichen Safari-Ausflügen erkunden wir gemeinsam die große, weite Welt. Wir freuen uns auf eine spannende und süße Reise! Detaillierte Infos dazu gibt es hier.

 

Tags Ausblick /

Ein Wochenende mit Sabine Neumann

Am Wochenende war die tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und allgemein beeidete, gerichtlich zertifizierte Hundesachverständige Sabine Neumann aus Niederösterreich zu Gast bei uns in Bludenz. Im Gepäck hatte sie einen äußerst interessanten Vortrag zum Thema Aggression beim Hund, berührende Erfahrungsberichte aus ihrem Hundehospiz „Tier-Reich“ und ihre Videokamera.

#45 AGGRESSION BEIM HUND - RICHTIG BEWERTEN, NACHHALTIG TRAINIEREN

Was macht Hunde aggressiv? Was passiert dabei im Körper des Tieres? Wie kann aggressives Verhalten richtig bewertet werden und wie sind Aggressionsprobleme nachhaltig in den Griff zu bekommen? Diese und viele weitere Fragen beantwortete Sabine Neumann im öffentlichen Vortrag „Aggression beim Hund – Richtig bewerten, nachhaltig trainieren“ am Freitag Abend. Als Trainerin und Sachverständige für Hunde ist ihre Einschätzung zum Aggressionspotential von Hunden seit vielen Jahren gefragt. Durch ihr Fachwissen und ihre Erfahrung aus dem Arbeitsalltag bei Gericht und im Hundetraining erhielten sowohl die Zuhörerinenn als auch die Teilnehmerinnen des Ausbildungslehrgangs „Kynologische Grundausbildung: Professionelle Hundebetreuung“ einen umfassenden Einblick in dieses sensible Thema.

KYNOLOGISCHE GRUNDAUSBILDUNG: PROFESSIONELE HUNDEBETREUUNG

Am Samstag Vormittag vermittelte Sabine Neumann im Rahmen des Ausbildungslehrgangs den Teilnehmerinnen, wie graue Schnauzen im Alterungsprozess optimal unterstützt und integriert werden können. Seit über zehn Jahren ermöglicht die erfahrene Hundetrainerin alten Hunden in ihrem Hundehospiz „Tier-Reich“ im Waldviertel professionelle Pflege und echte Lebensqualität bis zum Schluss. Es war ein sehr emotionaler Vormittag mit vielen rührenden Beispielen, wie durch achtsame Begleitung das Alter und selbst der Sterbeprozess für einen Hund möglichst schmerzfrei, friedlich und würdevoll gestaltet werden kann.

#46 KÖRPERSPRACHE IN DER INTERAKTION – SEHEN, ERKENNEN, ANALYSIEREN

Sehr lebendig wurde es dann wieder am Nachmittag – mit ungewohnten Perspektiven auf alltägliche Begegnungssituationen. Denn wer kennt das nicht? Manchmal, wenn man auf fremde Menschen oder Hunde trifft, wünscht man sich eine Rückspultaste, um sich nochmal gaaaaanz langsam und genau anschauen zu können, was da gerade passiert ist und warum. Beim Video-Workshop „Körpersprache in der Interaktion – sehen, erkennen, analysieren“ hatten die teilnehmenden Mensch-Hund-Teams genau diese Möglichkeit. Im ersten Teil wurden verschiedene Begegnungssituationen mit fremden Menschen und anderen Hunden gefilmt. Im zweiten Teil, während die Vierbeiner schon müde aber zufrieden unter den Tischen schnarchten, konnten die zweibeinigen Teilnehmerinnen die Videos gemeinsam anschauen, analysieren und unter der fachkundigen Anleitung von Sabine Neumann interpretieren. Eine interessante Erfahrung mit vielen lehrreichen Einblicken, für die aktiven Teams genauso wie für die Lehrgangsteilnehmerinnen.

Die freilauf Workshop- und Vortragsreihe und auch die Kynologische Grundausbildung gehen jetzt in Sommerpause. Weiter geht’s am 5. Oktober. Den Auftakt macht der öffentliche Vortrag „Was braucht (m)ein Hund zum Glücklichsein?“ von Christina Sondermann, einer der führenden Expertinnen Deutschlands für wesensgerechte Hundebeschäftigung und Autorin von „Spaß mit Hund“. Weitere Informationen dazu gibt’s hier.

Sabine Neumann:

ist „Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin“, allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Hunde sowie Autorin des Buches „TierHeim – Schicksal oder Chance?“. Die Animal Learn Trainerausbildung sowie zahlreiche Fortbildungen und langjährige Praxis im Training sowie als Referentin im Bereich Aggressionsverhalten und Tierschutz zeichnenSabine Neumann aus.  Sie betreibt die Hundeschule „Traum Hund“ im Waldviertel, Niederösterreich. „Ich hatte das Bedürfnis den Hunden etwas zurückzugeben“, antwortete sie auf eine Frage nach ihrem Hundehospiz „Tier-Reich“, in welchem Sabine Neumann alte Hunde würdevoll auf dem letzten Weg begleitet.