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Fünf Fragen an Claudia Fugazza

„Do as I do“ basiert auf sozialem Lernen. Sind Hunde die diese Methode beherrschen schlauer oder sozial kompetenter als andere?

Nein. Alle Hunde besitzen die Fähigkeit, Verhaltensweisen nachzuahmen. Bei der „Do as I do“-Methode bringen wir diese Fähigkeit lediglich unter Signalkontrolle. Die Hunde lernen also, auf unsere Aufforderung hin unser Verhalten nachzuahmen. Diese Methode eignet sich nicht für alles, was ein Hund lernen soll. Nicht Jagen zu gehen, an lockerer Leine zu laufen oder auch zu kommen, wenn gerufen wird, können wir einem Hund mit „Do as I do“ nicht beibringen, weil wir es ihm nicht vormachen können. Die Methode eignet sich vor allem für die Ausbildung von Hunden, die für komplexe Aufgaben trainiert werden, wie beispielsweise Assistenzhunde.

Es gibt Studien, die belegen, dass schon ein Lächeln eine Belohnung sein kann. Was kann soziales Lernen im Hundealltag noch leisten?

Stimmt. Hunde können unseren Gemütszustand interpretieren und zumindest auf einige unserer Emotionen reagieren. Schon im Alter von acht Wochen können Welpen einen sozialen Bezug zu ihren Haltenden herstellen. Das ist ein sozialer Lernprozess: Hunde lernen neue Situationen positiv oder negativ zu bewerten, indem sie die emotionalen Hinweise der Haltenden beobachten. Gerade im Welpentraining lernen Haltende oft, dass Welpen sozialisiert werden sollen und unterschiedliche Orte und Situationen kennenlernen sollen, um sicher und entspannt damit umgehen zu können. Das stimmt, aber damit ist es nicht getan. Als wichtige Sozialpartner müssen Haltende einem Welpen in diesen Situationen auch das Gefühl von Sicherheit und Entspanntheit vermitteln. Das gilt natürlich auch für erwachsene Hunde, für Welpen jedoch ist das besonders wichtig. Denn im Welpenalter verankern sich Situationen und die damit verbundenen Gefühle sehr stark im Gedächtnis. Deshalb reagieren viele Hunde auch später in ähnlichen Situationen oft aus dieser Erinnerung heraus.

Du arbeitest und forschst im „Family Dog Project“. Was steht dort als Nächstes auf deiner To-Do-Liste?

Eine ganze Menge, meine To-Do-Liste ist sehr lang (lacht). Jeder Studie liegt ja eine Forschungsfrage zugrunde. Wenn du Glück hast oder sehr gut bist – oder am besten beides –, können die Ergebnisse der Studie diese Frage beantworten. Das Problem ist, das jede beantwortete Frage fünf neue Fragen aufwirft, für deren Beantwortung es nicht immer genug Zeit, finanzielle Mittel, Forscher*innen oder auch Hunde gibt, um die entsprechenden Studien durchführen zu können.

Im Moment zum Beispiel arbeite ich an einem Projekt, das nennt sich „Genius Dog Challenge“. Dort haben wir herausgefunden, dass nur sehr wenige Hunde die Namen von Objekten lernen können. Die Hunde in der Challenge werden nicht trainiert, sie lernen diese Namen praktisch von selbst. Wir wollen herausfinden, warum das so ist und was Hunde, die das können, von anderen Hunden unterscheidet. Für dieses Projekt sind wir noch auf der Suche nach Hunden, die diese Fähigkeit haben. Wer so einen Hund zu Hause hat, kann sich also sehr gerne über die Website der Genius Dog Challenge an uns wenden.

Woher kommt deine Faszination für Hunde?

Meine Eltern hatten schon Hunde, als ich geboren wurde, es waren Deutsche Schäferhunde. Die waren von Anfang an immer um mich, vor allem der Rüde hat meine Wiege bewacht und mich bei meinen ersten Schritten gestützt. Später hatten wir auch Welpen, die haben mich ganz besonders fasziniert und ich habe den ganzen Tag mit ihnen verbracht. Ich habe es schon immer geliebt, meine Zeit mit Hunden zu verbringen.

In Mexico, wo du unter anderem lebst, gibt es sehr viele frei lebende Hunde. Hat das einen Einfluss auf deinen Zugang zu Hunden?

Es hat die Art und Weise verändert, wie ich Hunde sehe. Und es hat mir viel darüber gezeigt, wie Hunde von sich aus leben und lernen. Es ist nicht so, dass sie wahnsinnig aufregende Sachen machen würden. Eigentlich schlafen sie die meiste Zeit. Aber sie haben die Freiheit selbst zu entscheiden, was sie tun wollen und mit wem sie zusammen sein möchten. Wo ich lebe, haben die meisten Hunde ein Zuhause und damit Bezugspersonen. Aber sie können kommen und gehen wie sie wollen. Sie besuchen gerne Freunde, das können Hunde- und Menschenfreunde sein. Und das nicht unbedingt für Futter, sondern meistens einfach wegen der sozialen Interaktion. Diese Hunde lernen übrigens auch voneinander. Sie lernen von anderen Hunden, wie sie sich verhalten müssen, damit sie gut zusammen leben zu können. Dadurch haben sie häufig sehr, sehr gute soziale Fähigkeiten.


Über das Family Dog Project

Das „Family Dog Project“ wurde 1994 an der Fakultät für Ethologie der Eötvös Universität in Budapest gegründet. Das Projekt widmet sich der Erforschung der kognitiven Aspekte und von Verhalten in einer Mensch-Hund-Beziehung. Gegenwärtig istdas „Family Dog Project“ die größte Hundeforschungsgruppe der Welt mit über 100 wissenschaftlich anerkannten Publikationen. familydogproject.elte.hu


Dr. Claudia Fugazza, PhD

ist Ethologin (Verhaltensforscherin) im Team von Prof. Adam Miklosi an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Die von ihr entwickelte „Do as I do“-Methode findet sowohl im Hundetraining als auch in ihrer Forschungsarbeit über soziale kognitive und nachahmende Fähigkeiten von Familienhunden Anwendung. Ihr Buch „DO AS I DO - Il cane impara guardandoci“ erschien bei Haqihana im Original auf Italienisch und wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

Die SOKO Freilauf wünscht: Frohe Ostern!

Am vergangenen Sonntag machten sich vier Teams mit ihren Diensthunden auf den Weg, um die Lieblingshenne des Osterhasen zu finden und das Osterfest zu retten.

Zahlreiche Spuren mussten gesichert, Motive erarbeitet und Hinweise entschlüsselt werden. Und, es gab unerwartet einen Rollentausch: Während sich die Diensthunde mit den Ostereiern mit Fleischbeilage beschäftigten, haben die Kids mit großer Begeisterung alle Spuren selbst aufgespürt und gesichert. Kein einziger Hinweis ist ihnen entgangen. Dennoch mussten sich die Teams beim abschließenden Eierlauf noch ein paar zusätzliche Informationen erarbeiten, um den Fall zu lösen. Nicht nur Hund und Haltende, sondern auch die Kleinsten haben sich beim Eierlauf viel Mühe gegeben - Berta ist wider da und Ostern kann stattfinden :-)

Im Juli werden die Teams der SOKO Freilauf im Fall "Wer hat's gesehen? Das gestohlene Collier" einen Diebstahl ermitteln. Wenn auch du mit deinem Hund gerne bei der SOKO auf vier Pfoten dabei sein möchtest oder deinen Freunden einen Gutschein für eine Krimiwanderung mit Hund schenken willst, freuen wir uns über deine Anfrage. Alle Infos zu den Krimiwanderungen gibts hier.

 

 

 

Das war: "Do As I Do" mit Dr. Claudia Fugazza

Am vergangenen Wochenende stand ein ganz besonderer Workshop auf dem Programm: Angereist aus Como, Italien hatte die Verhaltensforscherin und Hundetrainerin Dr. Claudia Fugazza die von ihr entwickelte „Do As I Do“-Trainingsmethode im Gepäck. Dabei geht es darum, Hunden das Nachahmen einer vom Menschen vorgezeigten Handlung und in weiterer Folge beliebig viele neue Kommandos beizubringen.

Seit über 15 Jahren erforscht Claudia Fugazza an der ungarischen Eötvös Loránd Universität Verhalten und Kognition von Hunden. Die Erkenntnisse aktueller Studien bilden auch die Grundlage von „Do As I Do“ (zu Deutsch „Mach’s mir nach“). Hunde lernen nämlich nicht nur durch Assoziationen, sondern auch durch Imitation, also durch Nachahmung. „Soziales Lernen“ nennt man das – das Verhalten anderer zu beobachten und daraus bestimmte Informationen zu ziehen. Lange Zeit glaubte man, dass nur Menschen und Menschenaffen zur Imitation imstande seien. Heute weiß man, dass Hunde wahre Meister im Nachahmen sind – und auf diese Weise nicht nur außergewöhnlich schnell neue Verhaltensweisen lernen können, sondern sich das Gelernte auch besser bzw. länger merken.

Imitationslernen – ein Blick hinter die Forschungskulissen 

Wie es zu diesen Entdeckungen kam, erfuhren die Teilnehmenden im Theorieteil am Samstagvormittag. Gekonnt schraubte Claudia Fugazza komplexe Zusammenhänge auf das Wichtigste herunter und machte mit anschaulichen Beispielen auch Fachbegriffe verständlich. Besonders spannend waren dabei die Einblicke in ihre wertvolle Forschungsarbeit und somit in die Wissenschaft, die hinter der von ihr und ihrem Team entwickelten Trainingsmethode steckt. Sie nahm sich viel Zeit für die Fragen der Hundehalter*innen, die hochmotiviert die Chance ergriffen, noch tiefer in die Materie einzutauchen. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, mit einer Forscherin persönlich zu sprechen? „Das fühlt sich gar nicht wie ein Vortrag an, sondern wie ein Gespräch, I like it!“, zeigte sich die Referentin von der Atmosphäre in der Kleingruppe begeistert.

„Do As I Do“ – Trainingsphase 1

In Phase 1 der „Do As I Do“-Methode geht es darum, die Imitations-Regel zu erlernen. Der Hund lernt also, auf das Signal „Do it!“ hin eine vom Menschen vorgezeigte Handlung nachzuahmen. Um in dieses Training einsteigen zu können, hatten die Teilnehmer*innen in den Monaten vor dem Workshop ein wesentliches Stück Vorarbeit geleistet: Online angeleitet und betreut von Claudia Fugazzas Kollegen Marco Ojeda bereiteten sie sich auf den speziellen Übungsaufbau vor, der voraussetzt, dass die Mensch-Hunde-Teams mindestens drei verbale Kommandos sowie das verbale Kommando „Sitz (und Bleib)” beherrschen. Am Samstagnachmittag wurden dann Schritt für Schritt die verbalen Signale durch das Vorzeigen einer Aktion mit anschließendem „Do it!“ ersetzt. Drehte sich also ein Hund bisher auf das Kommando „Drehen“ hin im Kreis, so sollte er es nun machen, nachdem sein Frauchen sich selbst im Kreis gedreht und anschließend „Do it!“ gesagt hatte.

Korrekte Ausübung als Voraussetzung für den Trainingserfolg

Während des Trainings gab es einige wichtige Regeln zu befolgen. So darf der*die Hundehalter*in etwa beim Aussprechen des „Do it!“-Signals dem Hund keine weiteren Hilfestellungen geben, die auf die gewünschte Handlung hinweisen könnten. Ein schnelles Kopfnicken, ein kaum sichtbares Schulterzucken oder ein kurzer Blick in Richtung des Zielobjekts schwangen auch bei uns oftmals mit, ohne dass wir es bemerkten. Doch unseren Vierbeinern (und Claudias Adleraugen) entging nichts. :-) Die richtige Positionierung von Mensch, Hund und Objekten sowie die Reihenfolge der vorgezeigten Aktionen spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Auch richtiges Loben will gelernt sein

Zwischen den Lerneinheiten, während sich die Vierbeiner ihre wohlverdiente Pause gönnten, erhielten die Zweibeiner weitere Tipps von der Verhaltensforscherin, die mithilfe früher aufgezeichneter Einheiten die Relevanz der einzelnen Trainingsschritte verdeutlichte. Zum Schmunzeln brachte alle Anwesenden das schallende „Bravissimo!“ der italienischen Hundebesitzer, enthusiastisch ausgerufen nach jedem erfolgreich ausgeführten Kommando ihres Hundes. Ein wahrhafter Lobgesang also, von dem sich unsereins noch ein Scheibchen abschneiden könnte. ;-)

Schnelle Lernerfolge

Am Sonntag konnten alle die schnellen Lernerfolge bewundern. Die Hunde zeigten über die beiden Workshop-Tage hinweg eine erstaunliche Entwicklung und schafften es, die vorgezeigten Handlungen ihrer Frauchen auf das „Do it!“-Signal hin nachzuahmen.

„Do As I Do“ – Trainingsphase 2 

Um zu großen Stress für die Vierbeiner zu vermeiden, behandelten wir Phase 2 abschließend nur theoretisch. Darin geht es darum, drei weitere dem Hund bekannte verbale Kommandos in das Training zu integrieren (insgesamt also sechs) und das Gelernte anschließend zu generalisieren. Die Übung wird nun also an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Situationen durchgeführt. 

„Do As I Do“ als Methode zum Erlernen neuer Handlungen

Das Geniale an dieser Trainingsmethode: Haben Hund und Halter*in die beiden Phasen erstmal erfolgreich abgeschlossen, kann der Vierbeiner damit innerhalb kürzester Zeit neue Verhaltensweisen erlernen. Denn: Der Hund kann nun jede neu vorgezeigte Handlung (sofern anatomisch möglich) auf das „Do it!“-Kommando hin imitieren. Diese neue Aktion wird dann mit einem individuellen verbalen Signal verknüpft, sodass der Hund in weiterer Folge keine Demonstration mehr benötigt. Das verbale Signal reicht aus – und schon räumt der Vierbeiner sein Spielzeug selbst weg, bringt die Zeitung ans Bett oder macht noch schnell das Licht aus, bevor du den Film startest. ;-)

5 Fragen an ...

Natürlich haben wir die Chance genutzt und mit Dr. Fugazza ein Interview geführt. In der Rubrik "Fünf Fragen an ..." sowie im Newsletter könnt ihr es demnächst nachlesen ;-)

Vielen herzlichen Dank an Dr. Claudia Fugazza für dieses spannende Workshop-Wochenende und den Blick hinter die Kulissen! Wer mehr über Claudias Arbeit erfahren möchte, findet ihre Studien hier: https://familydogproject.elte.hu/


#59 DO AS I DO, Dr. Claudia Fugazza PhD, Como, IT


Dr. Claudia Fugazza

ist Ethologin (Verhaltensforscherin) im Team von Prof. Adam Miklosi an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Die von ihr entwickelte „Do as I do“-Methode findet sowohl im Hundetraining als auch in ihrer Forschungsarbeit über soziale kognitive und nachahmende Fähigkeiten von Familienhunden Anwendung. Ihr Buch „DO AS I DO - Il cane impara guardandoci“ erschien bei Haqihana im Original auf Italienisch und wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

Wau. Gute Aussichten!

Endlich ist es so weit: Heute fallen die meisten Coronabeschränkungen, Gruppenunterricht darf wieder sein und auch die Sozialspaziergänge finden wieder, wie gewohnt am Donnerstag und Sonntag, statt.

Da unsere Gruppenkurse bei angenehmen Temperaturen im Mai wieder starten, möchten wir allen "ausgehungerten" Mensch-Hund Teams die Highlights bis dahin nicht vorenthalten. Denn neben den Sozialspaziergängen gibt es für Welpen- und Junghundehaltende, kreative Köpfe, Schnüffelnasen und Rätselfreunde einige weitere gute Gründe für ein Zusammenkommen.

Ihr fragt euch, was ein heranwachsender Hund braucht und wie ihr am besten mit ihm umgeht? Ende März gestalten wir dazu einen Themenabend. Beim Vortrag Welpenzeit- und Junghundeentwicklung gibts nützliches Wissen und hilfreiche Tipps rund um das Thema "Erwachsenwerden beim Hund". Alle Infos zum Themenabend findet ihr hier.

Anfang April habt ihr die Möglichkeit von der renommierten Verhaltensforscherin Dr. Claudia Fugazza die "Machs mir nach"-Methode zu erlernen. Im 2-tägigen Workshop #59 DO AS I DO zeigt die Italienerin wie Hunde lernen Verhaltensweisen nachzumachen und ihr dieses Wissen, für lustige Tricks oder hilfreiche Abfolgen in ganz alltäglichen oder anspruchsvollen Situationen nutzen könnt. Es gibt noch wenige ZuhörerInnenplätze. Alle Infos zum Workshop findet ihr hier. 

Eigentlich sollte das letzte Jahr, das Jahr der Krimiwanderungen werden ... Leider ist uns da Corona dazwischen gekommen. In diesem Jahr schauts gut aus: Die SOKO Freilauf ermittelt kurz vor dem Osterfest im unerlässlichen Vermisstenfall "Wo ist Berta?" - ein ganz besonderer Rätselspaß für die ganze Familie ;-) Alle Infos zur Krimiwanderung findet ihr hier.

Bis bald! 

 

Tags Ausblick /

Einzeltraining, Welpensafari und Verhaltenstherapie im 4. Lockdown erlaubt

Wir freuen uns sehr darüber euch mitteilen zu dürfen, dass im 4. Lockdown Einzel- und Begegnungtrainings sowie auch die Welpensafari unter Einhaltung folgender Bestimmungen weiterhin stattfinden können: 

Grundsätzlich sind Einzeltrainings erlaubt, Gruppentrainings allerdings momentan verboten. [...] Allerdings müssen bestimmte „Sozialisierungstrainings“ ausschließlich im Gruppensetting durgeführt werden – versäumte Unterrichtseinheiten würden die Tierentwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Dabei geht es vor allem um Welpentraining und Verhaltenstraining.
Aus Sicht des Fachverbandes der persönlichen Dienstleister dürfen Welpen- und andere Sozialisierungstrainings zumindest dann auch für Kunden abgehalten werden, wenn folgende Voraussetzungen (kumulativ) erfüllt sind:

  • Zwischen den beteiligten Tierbesitzern findet keine Interaktion statt
  • Die allgemeinen Hygieneauflagen (Abstandspflicht von 2 Metern, FFP2-Maskenpflicht, 2G Nachweis der Kunden) werden konsequent eingehalten und
  • Es droht eine Beeinträchtigung des Sozialverhaltens (zB gesteigertes Aggressionspotenzial), wenn das Tiertraining auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. 

Quelle: Wirtschaftskammer Vorarlberg, Fachgruppe der persönlichen Dienstleister

Tags Ausblick /

Brustgeschirr oder Halsband?

Artgerechte Hundehaltung und respektvolles Hundetraining beginnen mit der Wahl der richtigen Ausrüstung. Studien über die Gesundheit und das Verhalten von Hunden zeigen, dass körperliche Schäden und Verhaltensauffälligkeiten bei vielen Hunden auf die Einwirkungen des Halsbands zurückzuführen sind. Wir können in vielen Situationen nicht ausschließen, dass unsere Hunde ruckartig oder lang anhaltend an der Leine ziehen. Ein passendes Brustgeschirr ist eine hundefreundliche Alternative, die die Gesundheit des Hundes schont und dem Auftreten von problematischem Verhalten vorbeugt.

 

Eingeschränkte Blutzufuhr und Sauerstoffunterversorgung

Gerade auf der Halsunterseite ist die Muskulatur bei Hunden nicht besonders gut ausgeprägt. Druck auf den Halsbereich eines Hundes bei dauerhaftem oder plötzlichem Ziehen bewirkt, dass die Blutzufuhr eingeschränkt wird. Dadurch entsteht Sauerstoffmangel im Gehirn. Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsbeschwerden, Ohrgeräusche sowie eine schmerzhafte Erhöhung des Augeninnendrucks können die Folgen sein.

 

Sehstörungen beim Hund als Folge vom Halsband

Ein hoher Augeninnendruck kann zu Sehstörungen, dem Erkranken am Grünen Star und zur Erblindung führen. Aus einer Studie, die an der Universität Wisconsin-Madison im Jahr 2006 durchgeführt wurde, geht hervor, dass der Augeninnendruck bei Hunden die am Halsband ziehen signifikant ansteigt, am Brustgeschirr jedoch nicht. Amy M. Pauli untersuchte die Augen von 26 Hunden und kam dabei zu dem Schluss, dass gerade für Hunde mit schwacher oder dünner Hornhaut, Grünem Star oder mit Erkrankungen für die eine Erhöhung des Augeninnendrucks schadhaft wäre, ein Brustgeschirr anstatt ein Halsband tragen sollten. Rassen, die eine erbliche Veranlagung für die Ausbildung von Grünem Star aufweisen sind: Alaskan Malamute, Dackel, Pudel, Basset Hound, Cocker Spaniel, Chihuahua, Chow-Chow, Dalmatiner, Entlebucher Sennen- hund, Samoyede, Siberian Husky, Shar Pei, Terrier Rassen,...

 

Sauerstoffunterversorgung druch Zug am Halsband

Eine Sauerstoffunterversorgung ist oft hörbar. Die Hunde beginnen zu röcheln und/oder zu husten. Atemnot löst Todesangst aus! Viele Tiere reagieren darauf, indem sie versuchen nach vorne zu flüchten und verschlimmern ihre Lage dadurch unbewusst. Die Symptome einer Sauerstoffunterversorgung reichen von vermehrtem Hechen bis hin zum "blau Anlaufen der Zunge".

 

Dauerhaftes Ziehen am Halsband kann Kehlkopfentzündungen verursachen

Anhaltender Druck auf den Halsbereich eines Hundes, wie er etwa durch länger andauerndes Ziehen am Halsband entsteht, kann zu einer Kehlkopfentzündung führen. Zu den Symptomen gehören anfallartiges, in Schüben auftretendes lautes und trockenes Husten sowie Würgen und Schluckbeschwerden bis hin zur Atemnot.

 

Ein Halsband begünstigt Verspannungen und Blockanden des Bewegungsapparats

Damit der Kehlkopf und die oberen Atemwege freigehalten werden können, spannen die Tiere ihre Halsmuskulatur an. Dies wiederum begünstigt Verspannungen und Blockaden im Bewegungsapparat und führt zu denselben Beschwerden, wie sie auch beim Menschen bekannt sind: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Schmerzen in der Wirbelsäule, chronische Nackenschmerzen und vieles mehr. Auch vom Facharzt können diese sehr häufig auftretenden Symptome nicht zugeordnet werden, da beim Röntgen, MRT oder CT nichts Pathologisches zu erkennen ist. Möglicherweise kennen Sie das: Sie haben fürchterliche Rückenschmerzen aber Ihre Ärzte versichern Ihnen, dass alles in Ordnung ist. Die Verspannung zermürbt Sie dennoch. Wie wir Menschen leiden auch unsere Hunde unter chronischen Schmerzen. Das ständige Unwohlsein und ein Schmerz, der einfach nicht weggeht, kann das Wesen verändern und zu Verzweiflung und Aggression führen.

 

Was Rückenprobeleme beim Hund mit Verhaltensauffälligkeiten zu tun haben

Anhaltendes Unwohlsein beeinflusst also das Verhalten eines Hundes im Alltag. Die Reizschwelle wird herabgesetzt und aus Verzweiflung können aggressive Verhaltensweisen auftreten. Im Animal learn Verlag ist ein Untersuchungsreport von Anders Hallgren aus dem Jahr 2001 erschienen, der sich mit den Auswirkungen von Rückenproblemen und den damit verbundenen Schmerzen auf das Wesen und Verhalten des Hundes befasst. Die Auswertung der Tiere zeigte, dass 79 Prozent der aggressiven und/oder gestressten Hunde sowie 69 Prozent der zurückhaltenden Hunde an Rückenproblemen litten. 91 Prozent jener Hunde, die Schäden an der Halswirbelsäule aufwiesen, waren zuvor Rucken oder starkem und lang anhaltendem Ziehen an der Leine ausgesetzt. Eine weitere und häufige Ursache für Rückenprobleme bei Hunden stellen laut Hallgren Einwirkungen dar, die zu einer Fehlverteilung des Körpergleichgewichts führen. Diese Fehlverteilungen des Körpergewichts entstehen beispielsweise beim Rucken und beim Hochziehen des Hundes am Halsband. Ein Brustgeschirr bietet im Vergleich zum Halsband wesentlich mehr Stabilität für das Tier im Alltag.

 

Erhöhtes Verletzungsrisiko durch schmale Halsbänder oder lange Leinen

Insbesondere bei schmalen Halsbändern besteht ein hohes Verletzungsrisiko, denn ein starker Ruck kann bereits einen Bandscheibenvorfall auslösen. Ein Bandscheibenvorfall kann zu Missempfindungen wie Ameisenlaufen, Taubheitsgefühlen, Ausfallerscheinungen, zu Störungen der Blase und des Darms sowie zu Lähmungen führen. Halsbänder sollten deshalb grundsätzlich eine Dicke aufweisen, die den Druck auf mindestens zwei Wirbelkörper verteilt.

Noch schwerwiegender können die Folgen sein, wenn ein Hund mit einer langen Leine am Halsband geführt oder angebunden wird. Versucht der Hund nun einem Ball oder einer Katze hinterher zu jagen und rennt dabei mit seinem Körpergewicht und hoher Geschwindigkeit in die Leine, wird die gesamte Kraft vom Halsbereich des Tieres aufgefangen. Ein derart starker Leinenruck kann Verletzungen der Wirbelkörper verursachen und sogar zum Genickbruch – und damit zum Tod des Tieres – führen.

 

Kleine Drüse - große Wirkung: Die Schilddrüse und das emotionale Gleichgewicht

Eine gesunde Schilddrüse ist für das emotionale Wohlbefinden von Menschen und Hunden gleichermaßen wichtig. Dieses Organ befindet sich seitlich des Kehlkopfes und wird durch Druck im Halsbereich in der Funktion beeinträchtigt, beschädigt oder sogar zerstört. Schwerwiegende Veränderungen des Wesens und des Verhaltens des Hundes sind die Folge. Plötzliche, „unprovozierte“ Aggressionen, schizophrenes Verhalten, Angstzustände ohne erkennbaren Grund, Emotionsarmut und Lethargie zählen zu den Symptomen. Tiere die an einer Schilddrüsen Fehlfunktion leiden benötigen lebenslang und täglich die Gabe von Medikamenten, damit sie sich wohlfühlen und ausgeglichen sind.

 

Leinenaggression: Fehlverknüpfung im sozialen Kontext

Der Hals ist ein empfindsamer Körperbereich und auch ein wichtiges soziales Organ für die Kommunikation des Hundes. Ein weiterer Einfluss, der sich negativ auf das Sozialverhalten des Hundes auswirkt ist beispielsweise das Führen des Tieres an Halsband mit angespannter Leine in Begegnungssituationen. Das Konfliktpotenzial erhöht sich, da der Hund in eine Körperhaltung gezwungen wird, die auf andere Hunde bedrohlich wirkt. Das Tier wird „aufgerichtet“ und Missverständnisse in der gegenseitigen Kommunikation entstehen. Unhöfliches und schlechtes Benehmen sind die Folge. Dadurch wird aggressives Verhalten an der Leine zu einem der am häufigsten zu therapierenden Probleme in den gegenwärtigen Hundeschulen.

Die Leinenaggression ist ein klassisches Beispiel einer Verhaltensproblematik, die durch das Führen des Hundes am Halsband gefördert wird. Ursachen, sind negative und/ oder schmerzhafte Erfahrungen bei Begegnungen mit Artgenossen. Macht beispielsweise ein junger Hund immer wieder die Erfahrung, dass er keine Luft mehr bekommt und Schmerz erfährt, wenn er sich vor lauter Freude beim Anblick eines Spielgefährten in die Leine wirft, verändert sich seine Erwartungshaltung und bei zukünftigen Hundebegegnungen werden anstelle der zuvor empfundenen Freude, abwehrende Verhaltensweisen gezeigt. Augrund der Fehlverknüpfung versucht das Tier nun andere Hunde zu vertreiben und/oder anzugreifen. Der Leidensdruck von Hund und Mensch ist groß und eine nachhaltige Verhaltensveränderung erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen.


Was spricht gegen ein Halsband?

Wir können in vielen Situationen nicht ausschließen, dass unsere Hunde plötzlich oder lang anhaltend an der Leine ziehen. Gestresste Tiere ziehen ausdauernd und Welpen, junge oder ängstliche Hunde springen oft plötzlich und mit voller Wucht in die Leine. Aber auch wohlerzogene Tiere erschrecken sich ab und an oder geraten in Situationen, denen sie nicht gewachsen sind.

Aus allein diesen Gründen sollten Hunde an einem gut sitzenden Brustgeschirr geführt werden. Ein bewusster Umgang mit dem Hund, Fürsorge und Mitgefühl sowie eine entsprechende Verhaltensförderung sind die weiteren Zutaten für ein entspanntes Zusammenleben von Mensch und Hund.

Das Brustgeschirr

Für viele Hunde ist ein T-Geschirr die richtige Wahl. T-Geschirre bieten i.d.R. genügend Freiraum im Achselbereich der Hunde durch einen verstellbaren Bruststeg. Für kleine Hunde sind andere Bauarten (X-Geschirre) empfehlenswerter und für Windhunderassen sollten spezielle Windhundgeschirre verwendet werden. Da Windhunde sehr Körpersensibel sind, werden Windhundegeschirre sehr gut gepolstert und schneiden nicht ein. 

TIPP: Einige Hunde, die an das Geschirr noch nicht gewöhnt sind, knabbern an den Gurten. In solchen Fällen ist es empfehlenswert, das Brustgeschirr erst kurz vor dem Spazierengehen anzulegen und direkt nach dem Spaziergang auszuziehen (ggf. schon im Auto).

Was macht ein gut sitzendes Brustgeschirr aus?

  • Ein gutes Brustgeschirr kann von 2 Seiten geöffnet werden. Dadurch fällt das Anziehen Hund und Mensch leichter.

  • Die Verschlüsse sind abgerundet und die Dicke des Gurtbandes ist auf die Körpergröße und das Gewicht des Tieres abgestimmt

  • Wichtig ist, dass hinter den Vorderläufen des Hundes genügend Platz bleibt, damit das Gurtband nicht bei den sensiblen Achselbereichen des Tieres einschneidet. 

  • Das Geschirr sollte locker sitzen aber nicht ständig hin und her rutschen. Das Brustgeschirr sollte so nahe am Körper anliegen, dass man 1-2 Finger unter die Gurte schieben kann. Ein zu locker sitzendes Brustgeschirr kann verrutschen und reiben, und dadurch den Hund stören.

  • Es ist darauf zu achten, dass der Metallring am Brustkorb nicht auf dem Brustbein liegt, sondern auf der gut gepolsterten Brustmuskulatur.

  • Das Halsteil sollte so bemessen sein, dass die Schultergelenke und die Schulterblätter in der Bewegung nicht eingeschränkt werden sowie die Halsregion nicht beeinträchtigen.

  • Der Rückensteg und der Bruststeg müssen fest miteinander vernäht sein, damit sie beim Tragen nicht hin und her rutschen.

  • Das Brustgeschirr sollte aus weichem Material genäht sein und weder die Gurte noch die Vernähungen sollten beim Tragen einschneiden.

  • Die Verschlüsse sollten eine Handbreit neben der Wirbelsäule liegen und nicht am Körper anliegen, also unterlegt bzw. gepolsterst sein. Idealerweise verlaufen Brust- und Bauchsteg parallel nach hinten und enden im hinteren Drittel des Brustkorbes. Damit ist einerseits gewährleistet, dass der Bauchgurt in der Bewegung nicht zu nah an den Achseln liegt, und andererseits sollte das Geschirr auf Zug nicht über den Brustkorb hinausragen. Es ist wichtig, dass beide Stege plan aufliegen und keine Bögen in der Bewegung werfen bzw. wenn die Leine befestigt ist

  • Der Ring oder die Öse für die Befestigung der Leine sollte durch einen Polster am Körper erweitert sein, damit der Karabiner der Leine nicht auf der Wirbelsäule des Hundes aufschlägt


Welche Vorteile hat ein Brustgeschirr?

  • Die Gesundheit des Tieres wird geschont

  • Das Risiko von Fehlverknüpfungen wird vermindert

  • Auch bei langem Fell ist in Gefahrensituationen ein sicherer, schneller und einfacher Zugriff durch den Menschen möglich

  • Verletzungen an den Fingern, die entstehen können, wenn der Hund sich am Halsband windet werden ausgeschlossen

  • Viele Hunde hören in Verbindung mit einer 3 Meter langen Leine von sich aus auf zu ziehen

  • Tragekomfort für das Tier

  • Der Hund wirkt freundlicher

  • Bietet dem Hund mehr Stabilität (Gewichtsverteilung)


Wie wird ein Brustgeschirr angelegt?

  • Der Mensch platziert sich seitlich vom Hund

  • Mit einer Hand die Halsöffnung aufhalten

  • Mit der anderen Hand ein Leckerchen vor die Öffnung halten. So wird der Hund den Kopf durch die Halsöffnung stecken, um an das Leckerchen zu gelangen

  • Nun das Brustgeschirr über den Kopf und Hals des Hundes führen und seitlich verschließen.


Literatur:

  • Anders Hallgren, Rückenprobleme beim Hund (Untersuchungsreport), Animal learn Verlag Beate Zimmermann, Schilddrüse und Verhalten (Schilddrüsenunterfunktion beim Hund), MenschHund! Verlag

  • Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathriyn A. Diehl and Paul E. Miller, Effects of the Appli- cation of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs, Journal of the American Animal Hospital Association 2006; 42:207-211

  • Clarissa v. Reinhardt, Leinenaggression, Animal learn Verlag

  • Turid Rugaas, Hilfe, mein Hund zieht! Animal learn Verlag

Das war: "Nosework" mit Anne Lill Kvam

Ein schöneres Wochenende hätten wir uns nicht aussuchen können für den Besuch von Anne Lill Kvam. Bei herrlich spätsommerlichen Temperaturen war die Hundetrainerin aus Norwegen am Samstag und Sonntag bei uns zu Gast, um mit den begeisterten Mensch-Hunde-Teams in die faszinierende Welt der Nasenarbeit einzutauchen. 

Der Workshop startete am Samstagvormittag mit den theoretischen Grundlagen zum Sinn und Zweck der Sucharbeit. Den Anfang machten wichtige Informationen über die Sinne der Hunde, allen voran natürlich die Nase. Im Anschluss erklärte die Expertin für Nasenarbeit und Spurensuche den Teilnehmenden, welche Unterschiede es in der Nasenarbeit gibt und wie etwa die Leckerchensuche aufgebaut und unter Signalkontrolle gebracht werden kann. Dem individuellen Anzeigeverhalten war ebenfalls ein Teil der theoretischen Einheit gewidmet. Denn für Anne Lill ist es besonders wichtig, dass die Hunde Spaß an der Nasenarbeit haben und sich und ihre Stärken entfalten können. Ein wesentliches Instrument dafür ist, dem Hund die Möglichkeit zur Mitgestaltung zu geben.

Ganz schön praktisch: Geldsuche 

Begleitet von der strahlenden Herbstsonne ging es dann am Nachmittag hinaus ins Freie. Das Ziel des ersten Nachmittags im Brunnenfeld war ein in jeder Hinsicht Praktisches: Die Hunde lernten, Geldscheine zu finden. Dafür ging es zuerst einmal um Geruchsdiskriminierung, bei der der Hund lernt, sich auf einen bestimmten Geruch, nämlich den eines 5-Euro-Scheines, zu konzentrieren. Im Anschluss wurde das Suchschema aufgebaut. Die Gruppengröße war so gewählt, dass Anne Lill mit jedem Team einzeln arbeiten und die jeweiligen Schritte je nach Wissensstand und Vorkenntnissen individuell aufbauen konnte. Egal ob Anfänger oder Profi: In jedem Team zeigten sich rasch die natürlichen Talente der Hunde. 

Am Sonntag am Vormittag waren „Enriched Trails“ das Thema der zweiten Theorieeinheit des Workshops. Gleich am Nachmittag wurde das Gelernte mit allerlei Erkundenswertem auf einem Feldweg praktisch ausprobiert. Im Anschluss konnten dann die Newbies die Grundlagen des ID-Trackings kennenlernen. Alte Fährtenhasen forderte Anne Lill mit individuellen Steigerungen, wie zum Beispiel trotz interessanter neuer Spuren auf der Fährte der gesuchten Person zu bleiben.

Nach zwei intensiven und spannenden Tagen waren vor allem die Vierbeiner „hundemüde“ – und sehr zufrieden. Auch die zweibeinigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich begeistert: „Es war super, wie gut Anne Lill auf unsere Wünsche und die Bedürfnisse und Talente unserer Hunde eingegangen ist. Wir haben viel dazugelernt“, lautete der allgemeine Tenor.

Nasenarbeit als sinnvolle Beschäftigung für Hunde

Nasenarbeit ist eine der sinnvollsten Beschäftigungsmöglichkeiten, die wir unseren Hunden anbieten können. Gut ausgeführte Fährten- und Flächensuchen sorgen für ausgeglichene und zufriedene Hunde und fördern die vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Hund. Anne Lill Kvam ist eine der weltweit führenden Expertinnen auf dem Gebiet der Nasenarbeit. Wir freuen uns sehr, dass sie sich mit uns auf diese spannende Entdeckungsreise in die Sinneswelt der Hunde gemacht hat.

Wer dieses Mal nicht dabei sein konnte, kann sich schon bald wieder bei einer unserer Krimiwanderungen auf spannende Suchabenteuer einlassen – und auch unser Workshop-Kalender kann dieses Jahr noch mit einem weiteren Highlight aufwarten: Dr. Claudia Fugazza, wird die von ihr entwickelte „Do as I do“-Methode in einem zweiteiligen Workshop persönlich unterrichten. Jetzt heißt es schnell sein: Der erste Teil startet schon diesen Samstag via Zoom.


Anne Lill Kvam

bildete 1986 ihren eigenen Hund für den Such- und Rettungsdienst aus – und entdeckte dabei ihre Passion für die Arbeit mit Hunden. 1996 schloss die Norwegerin ihre Trainerausbildung bei Turid Rugaas ab und arbeitet seither hauptberuflich als Hundetrainerin. Von 1997 bis 2000 bildete Anne Lill Kvam im Auftrag der Hilfsorganisation "Norwegian Peoples Aid" in Angola Minenspürhunde aus und überwachte die Minenräumung. Seit ihrer Rückkehr ist sie eine gefragte Referentin für Nasenarbeit und Spurensuche im In-und Ausland. Anne Lill Kvam ist Mitglied bei der PDTE - Pet Dog Trainers of Europe sowie Teil der IDTE – International Dog Trainers Education, Autorin des Standardwerks „Spurensuche: Nasenarbeit Schritt für Schritt“ (Animal Learn 2005) und leitet in Norwegen ihre eigene Hundeschule.


Buchtipp:

Spurensuche: Nasenarbeit Schritt für Schritt, Anne Lill Kvam, erschienen im Animal Learn Verlag, 2005


#58 NOSEWORK_ANNE LILL KVAM

Fünf Fragen an Anne Lill Kvam

Warum ist Nasenarbeit als Beschäftigung so gut für Hunde und was fasziniert dich daran besonders?

Was mich an der Nasenarbeit fasziniert, ist, wie sehr Hunde sie lieben. Sie blühen dabei auf und man kann förmlich zusehen, wie sie innerlich wachsen und selbstbewusster werden. Sie wissen intuitiv, wenn sie es richtig gemacht haben, selbst wenn wir sie nicht dafür loben würden, weil es für sie das Natürlichste der Welt ist. Die Arbeit mit dem Geruchssinn der Hunde hat auch mich sehr weiter gebracht. Ich musste viel über die anderen Sinne lernen, weil die immer da sind und das Training oft stören. Ich musste mich mit dem Nervensystem, mit dem Gehirn, den Emotionen und dem Verhalten auseinandersetzen, denn das alles hängt eng zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Das ist absolut faszinierend.

Worauf legst du besonders großen Wert, gerade wenn es, etwa in der Suche nach Verschütteten oder bei der Minensuche, nicht mehr ums Vergnügen sondern im Ernstfall um Leben und Tod geht?

Dem Hund ist es egal, ob er nach einer Mine, einem Menschen oder einem Teddybär sucht. Doch wenn Hunde als „Werkzeug“ für eine Aufgabe dienen, und nichts anderes sind sie bei der professionellen Sucharbeit, dann muss man sie schützen. Man muss wissen, wie die Aufgabe sein wird und die Hunde gut darauf trainieren. In Kobe* habe ich erlebt, dass Hunde durch die Sucheinsätze depressiv wurden, weil sie darauf trainiert waren, Menschen lebend zu finden, was nach einigen Tagen leider nicht mehr der Fall war.

Außerdem ist es wichtig, die Körpersprache der Hunde verstehen zu lernen, damit man merkt, wenn der Hund physisch oder mental an seine Grenzen gerät. Hunde müssen eine Pause bekommen, wenn sie eine Pause brauchen. Professionellen Suchhundeführenden rate ich deshalb immer dazu, zwei Hunde zu haben. Ein Mensch kann den ganzen Tag mit der Suche verbringen, ein Hund kann das nicht.

*  Bei einem katastrophalen Erdbeben in Kobe (Japan) am 17. Januar 1995 kamen 6.434 Menschen ums Leben und über 100.000 Gebäude wurden zerstört.

Dich verbindet eine langjährige Freundschaft mit Turid Rugaas, die 1996 mit deiner Hundetrainerausbildung in ihrer Hundeschule begonnen hat. Was hat dich damals zu ihr geführt?

Die Anregung kam von einer befreundeten Hundehalterin. Sie hatte vor, die Hundetrainer-Ausbildung bei Turid Rugaas zu machen und meinte, das könnte auch etwas für mich sein. Ich hatte schon Jahre vorher von Turid, von den Calming Signals und ihren Trainingsansätzen gehört. Damals gab es noch viele, die darüber gelästert haben. Sie würde mit zu vielen Leckerlis und viel zu sanft arbeiten, hieß es und sie würde damit auch überhaupt keine Resultate erzielen. Das war zu einer Zeit, als es noch „normal“ war, dass Hundetrainer mit ihren Methoden Hunde richtiggehend ruiniert haben. Und das ist bei Turid nicht ein einziges Mal passiert. Dafür habe ich sie schon damals bewundert.

Seit vielen Jahren bildest du selbst Hundehaltende und Trainer*innen auf der ganzen Welt aus und sprichst auf internationalen Konferenzen und Symposien. Was hast du dabei über die Unterschiede zwischen Hunden und Menschen auf der Welt gelernt?

Hunde sind überall auf der Welt Hunde, aber es gibt große Unterschiede zwischen den Menschen, in ihrer Einstellung, in ihrer Kultur und in einigen anderen Bereichen. Vor vielen Jahren habe ich im „Canine Good Citizen“-Programm** in Norwegen und in Japan mitgearbeitet. Da hat sich die Frage gestellt: Was muss ein Hund in Japan können, um dieses Zertifikat zu erhalten? Eine Anforderung war dann zum Beispiel, dass die Hunde sich die Pfoten abstreifen, bevor sie ein Haus betreten oder auch, dass sie mit den dort häufig vorkommenden Papierwänden ganz besonders vorsichtig sind.

**Das Canine Good Citizen-Programm wurde 1989 vom American Kennel Club zur Förderung eines verantwortungsvollen Hundebesitzes und der Ausbildung „gut erzogener" Hunde ins Leben gerufen.

Was ist deine Vision von einem idealen Miteinander zwischen Mensch und Hund –  in der Arbeit genauso wie im Privaten?

Ich würde mir wünschen, dass wir Hunden mehr eigene Wahlmöglichkeiten einräumen. In der Art, wie wir in unserer modernen westlichen Welt Hunde halten, haben die Bedürfnisse der Hunde kaum Platz. Hunde erfüllen meist einen Zweck für uns. Dabei stört mich persönlich am meisten die Überzeugung, dass der Hund in meinem Leben ist, um für mich da zu sein und meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Hier sollten wir alle einen Schritt zurück machen und unsere Hunde und ihre Bedürfnisse besser wahrnehmen und respektieren, anstatt sie nur herumzukommandieren.


Anne Lill Kvam

bildete 1986 ihren eigenen Hund für den Such- und Rettungsdienst aus – und entdeckte dabei ihre Passion für die Arbeit mit Hunden. 1996 schloss die Norwegerin ihre Trainerausbildung bei Turid Rugaas ab und arbeitet seither hauptberuflich als Hundetrainerin. Von 1997 bis 2000 bildete Anne Lill im Auftrag der Hilfsorganisation „Norwegian Peoples Aid“ in Angola Minenspürhunde aus und überwachte die Minenräumung. Seit ihrer Rückkehr ist sie eine gefragte Referentin für Nasenarbeit und Spurensuche im In-und Ausland. Anne Lill Kvam ist Mitglied bei der PDTE - Pet Dog Trainers of Europe sowie Teil der IDTE – International Dog Trainers Education, Autorin des Standardwerks „Spurensuche: Nasenarbeit Schritt für Schritt“ (Animal Learn 2005) und leitet in Norwegen ihre eigene Hundeschule.

SOKO Freilauf ermittelt: SOS im Maisfeld

Bei der Krimiwanderung am Donnerstag lösten die Einsatzteams einen spannenden Vermisstenfall. Zwei Komissarinnen verschwanden nachdem sie sich am Tatort eines blutigen Verbrechens trafen. Die Dienststelle informiete die Einsatzteams und gab Hinweise zum Verbleib ihrer Kolleginnen. Gleich zu Beginn konnte eine der vermissten Ermittlerinnen von der Spürhündin Cleo im Maisfeld-Labyrinth gefunden werden. Es dauerte bis in die Nacht, um auch die zweite vermisste Komissarin aufzuspüren, denn zahreiche Hinweise mussten gefunden und entschlüsselt werden. Wir bedanken uns herzlich bei allen Einsatzkräften :-)

Wenn auch du mit deinem Hund gerne bei der SOKO Freilauf ermitteln oder deinen Freunden einen Gutschein für eine Krimiwanderung schenken möchtest, freuen wir uns über deine Anfrage. Alle Infos zu den Krimiwanderungen gibts hier.

Workshop- und Vortragsreihe 2021

Gute Grenzen, bereichernde Beziehungen und geistige Auslastung – all das kann unseren Hunden ein ausgeglichenes und schönes Leben an unserer Seite ermöglichen. Was es dazu braucht? Dieser Frage gehen wir in der Workshop- und Vortragsreihe 2021 auf den Grund.

Einige Termine mit interessanten Themen und hervorragenden ReferentInnen mussten wir im vergangenen Jahr und in diesem Frühjahr coronabedingt leider absagen. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass es seit Juli mit der Workshop- und Vortragsreihe nun endlich wieder weiter geht.

Um die Frage, wie man Hunden fair und wirksam Grenzen setzen kann, ging es bereits am 31. Juli beim Seminar von Verhaltensforscherin Maria Hense aus Nordrhein-Westfalen.

Über das sichere und gegenseitig bereichernde Zusammenleben von Kindern und Hunden gibt es im September, im Vortrag für Erwachsene und beim Workshop für Kinder mit der Vorarlberger Sonderkindergartenpädagogin Renate Pfitscher, viel Wissenswertes zu erfahren.

Wie die hochsensible Hundenase eingesetzt werden kann, das erfahren Hund und Haltende beim zweitägigen Workshop „Nosework“ im Oktober. Wir freuen uns sehr, dass wir dafür Anne Lill Kvam, eine führende Expertin auf dem Gebiet der Fährten- und Flächensuche aus Norwegen, exklusiv nach Vorarlberg bringen können.

Bevor es dann auch schon wieder Richtung Winter geht, haben wir ab Oktober noch genau das Richtige für euch, um mit euren Vierbeinern auch an Schmuddelwetter-Tagen Spaß zu haben und Hundeköpfe sinnvoll zu beschäftigen: „Do as I do“, ein zweiteiliger Workshop mit Dr. Claudia Fugazza, gibt euch dafür das notwendige Rüstzeug an die Hand. 

Alle Details zu den Workshops und Vorträgen findet ihr hier!