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Das war: "Mensch-Hund Beziehung im Training und Alltag"

Rückblick auf einen spannenden Seminar-Samstag mit der Verhaltens- und Familienberaterin Dr. Iris Schöberl bei uns in der freilauf Hundeschule in Bludenz

In ihrer Arbeit zu den Themen Beziehung und Stressmanagement befasst sich Iris Schöberl sowohl mit Menschen als auch mit Hunden. „Denn so groß sind die Unterschiede in den Bindungsmustern gar nicht“, weiß die Verhaltensbiologin und Familienberaterin aus ihren Studien und ihrer Arbeit mit Familien mit und ohne Hund. Warum dem so ist, das erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem spannenden und lehrreichen Tagesseminar vergangenen Samstag in der freilauf Hundeschule.

Der erste Teil des Tagesseminars zur Beziehung zwischen Mensch und Hund drehte sich um die wissenschaftlichen Grundlagen der Bindung. Iris Schöberl hatte dazu für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die größtenteils aus den Fachbereichen Pädagogik, Sozialarbeit sowie hundegestützte Therapie und Hundetraining stammten, umfangreiches Grundlagenwissen und nützliche Informationen für deren Arbeit aber auch für den eigenen Alltag mit Hund im Gepäck:

Was ist Bindung?

Unter Bindung versteht man „das Verhalten und die Gefühle gegenüber der als stärker und weiser empfundenen Fürsorge- beziehungsweise Bindungsfigur“. Das gilt für Mensch und Hund gleichermaßen. Eine sichere Bindung erfüllt da wie dort verschiedene Funktionen, wie beispielsweise Sicherheit und Schutz und Stress- und Emotionsregulation. Dass eine Bindung sicher werden kann, dazu tragen die Zuverlässigkeit und Vorhersehbarkeit der Bindungsfigur genauso bei wie das positive Erleben der Nähe. Das macht die Bindungsfigur zu einer sicheren Basis, aus der aus die Welt erkundet werden kann und zum Sammeln neuer Erfahrungen – für Kinder ebenso wie für Hunde. Besonders interessant dabei: Lediglich 20 Prozent der Bindungsqualität sind durch genetische Variation vorgegeben. 80 Prozent entstehen durch Umwelteinflüsse, den Eigenschaften des Kindes sowie das Verhalten und die Feinfühligkeit der Fürsorgeperson. Aufrund der grossen Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund, ist anzunehmen, dass dies auch für Hunde zutrifft. Mit zahlreichen Video-Beispielen konnte Dr. Schöberl einen Eindruck davon vermitteln, wie unterschiedlich Bindungsmuster sich gestalten können und welche Auswirkungen diese jeweils auf das Erleben und Verhalten sowie auf das Stresssystem von Kleinkindern und von Hunden hat.

Neurophysiologie der Bindung

Auf die Hintergründe dazu ging Iris Schöberl im zweiten Teil des Seminars ein, wo es um die Neurophysiologie der Bindung ging. Besonders deutlich wurde hier die Bedeutung von Oxytocin. Dieses „Bindungshormon“ wird bei Säugetieren, also auch bei Menschen und Hunden, durch positive soziale Beziehungen und Berührung ausgeschüttet. Eine ausreichende Versorgung mit Oxytocin hat förderliche Auswirkungen auf den Umgang mit Angst und Stress, es erleichtert die Verarbeitung von Umwelteindrücken und hat zahlreiche positive Effekte auf unterschiedlichste Körperfunktionen. Damit wurde für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch der zentrale Einfluss deutlich, den eine sichere Bindung zwischen Hund und Halter auf das Training und das Zusammenleben im Alltag hat. Denn für Mag. Iris Schöberl ist klar: Beziehung und Erziehung sind zwei Paar Schuhe. Vorsicht allerdings sieht die Verhaltensexpertin darin geboten, rassetypisches oder in einem bestimmten Entwicklungsstadium des Hundes völlig normales Verhalten auf die Bindungsebene abzuwälzen: „Wenn ein junger Beagle eine Fährte aufnimmt und nicht sofort auf einen Rückruf reagiert ist das genauso normal wie wenn eine Hunde-Seniorin nich mehr lange im "Platz" bleibt.“ Das habe wenig mit Erziehung und rein gar nichts mit der Bindung zu tun. Dennoch können, so Schöberl weiter, ohne eine gute Beziehung zwischen Hund und Halter zahlreiche Trainingsmaßnahmen ins Leere laufen. Daher sei es zentral, lebenslang mit Sicherheit, Nähe und Feinfühligkeit an einer sicheren Bindung zu arbeiten. Denn eine vertrauensvolle Basis und ein sicherer Rahmen in dem der Hund Hund sein darf mache im Training und Alltag vieles leichter und manches auch überhaupt erst möglich.

Nach einem intensiven aber sehr kurzweiligen Seminartag in den Schulungsräumen unserer Hundeschule in Bludenz gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer zentralen Erkenntnis nach Hause: Nicht nur unsere Hunde lernen von uns, auch wir lernen von ihnen. Denn unsere Persönlichkeit und eigene Erfahrungen in Beziehungen haben direkten Einfluss auf die Bindung zwischen uns und unserem Vierbeiner. Wenn wir es schaffen, unseren Hunden eine zuverlässige, verfügbare und vertrauenswürdige Bezugsperson zu sein helfen wir ihnen dabei, sich im Alltag sicher zu fühlen, einen gesunden Umgang mit Angst und Stress zu entwickeln und zu lernen.

Es war uns eine große Freude, dass Iris Schöberl unserer Einladung nach Vorarlberg für das Seminar #48 MENSCH-HUND BEZIEHUNG IM ALLTAG UND TRAINING gefolgt ist und wir hoffen, sie bald wieder zu einem Seminar bei uns in der freilauf Hundeschule begrüßen zu dürfen.

Interessiert an weiteren Seminaren, Workshops und Veranstaltungen? Hier gibt’s alle Infos dazu!


Dr. Iris Schöberl

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit von Iris Schöberl stehen Stressmanagement und Bindung sowie das Vermitteln neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in Workshops und Seminaren. Praktisch arbeitet die promovierte Verhaltensbiologin seit über 14 Jahren als selbstständige Verhaltensberaterin und Trainerin mit den Schwerpunkten Bindungs- und Beziehungsaufbau, Stressmanagement, Angst und Aggression. Iris Schöberl absolvierte eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin und Säuglings-, Kinder-Jugendlichen- und Elternberaterin. Im Burgenland, in Niederösterreich und in Wien bietet sie ganzheitliche Familienberatung für Eltern, Kind, Hund und Katze. 

Mehr zu Dr. Iris Schöberl und ihrer Arbeit: www.beratungundtraining.at


 

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